The Shortcut ChatGPT fängt in den USA an Werbung zu schalten In den USA schaltet OpenAI jetzt...
Die FIFA wurde gehackt: Was der WM-Vorfall über Dein Fundament verrät
Alle hätten gerne hohes Tempo, wenige haben das Fundament
Vor zwei Wochen war ich in Prag, auf der Kaseya Connect Europe, einem der größten Treffen für IT-Dienstleister in Europa.
Die Vorträge habe ich mir kaum angeschaut. Ich war da, um mit anderen ITlern zu reden und zu hören, wie sie diesen ganzen KI-Wahnsinn gerade angehen.
Und das war augenöffnend. Denn kaum einer macht es gleich. Die einen rühren KI fast gar nicht an und arbeiten weiter wie immer.
Die anderen gehen all-in und werfen dabei Grundregeln über Bord, die sie vor drei Jahren noch für viel zu riskant gehalten hätten.
Irgendwann habe ich mich gefragt, wo ich da eigentlich selbst stehe. Voll drauf oder lieber bremsen?
Ehrliche Antwort: irgendwo in der Mitte. Bewährte Regeln nicht einfach aus dem Fenster werfen. Das Thema aber auch nicht aussitzen. Und vor allem den gesunden Menschenverstand nicht entsorgen.
Diese Woche sind mir drei Dinge begegnet, die genau zeigen, warum die Mitte der einzig kluge Platz ist.
Alle reden über Tempo. Die eigentliche Frage ist, ob das Fundament darunter überhaupt stabil ist.
Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.
Unsere heutigen Themen:
- Schneller und trotzdem langsamer
- Warum die KI gegen die Wand rennt
- Das Fundament, das jeder überspringt
1. Schneller und trotzdem langsamer
Fangen wir mit dem an, was sich am meisten nach Fortschritt anfühlt: Tempo. Jeder in Deiner Firma ist heute schneller als vor einem Jahr. Frag einfach mal nach. Der Bericht schreibt sich ratzfatz, die Mail sowieso, das Angebot in Minuten.
Warum wird dann das Unternehmen als Ganzes nicht schneller?
Nimm einen ganz normalen Bericht bei Dir im Haus. Früher hat sich jemand dafür einen halben Tag hingesetzt. Gelesen, abgewogen, geschrieben, wieder verworfen. Am Ende standen zwei klare Seiten und jeder Satz war vorher durch einen Kopf gegangen.
Heute wirft dieselbe Person ein paar Stichworte in eine KI und bekommt zwanzig Seiten zurück, in Minuten. Sie ist schneller, keine Frage.
Aber jetzt sitzen fünf Kollegen davor und müssen sich erst mal durch alles durcharbeiten. Und weil jeder weiß, dass eine KI mitgeschrieben hat, prüft auch jeder jede Behauptung doppelt nach.
Stimmt die Zahl wirklich? Hat das jemand sauber geprüft oder hat das Modell sie sich einfach ausgedacht?
Einem handgeschriebenen Bericht vertraust Du. Einem KI-Bericht glaubst Du erst mal keine Zeile.
Den mühsamen Teil, das Verdichten, Prüfen und Verstehen, hat der Verfasser nie gemacht. Er hat ihn nur weitergereicht, an alle anderen.
So wird die Abkürzung des einen zum Problem aller anderen, wie es Matheus Lima in einem Artikel You Got Faster. Your Company Didn't beschreibt.
Schon vor über 300 Jahren sagte Blaise Pascal:
„Ich hätte einen kürzeren Brief geschrieben, aber mir fehlte die Zeit."
Blaise Pascal
Der kurze Brief kostet den Schreiber mehr und spart dem Leser Zeit. Beim KI-Bericht ist es umgekehrt.
Und die Wahrheit ist, dass KI den anstrengenden Teil nicht wegmacht. Sie versteckt ihn nur und schiebt ihn nach hinten. Wer das übersieht, kauft sich an einer Stelle Tempo und zahlt es woanders doppelt zurück.
2. Warum die KI gegen die Wand rennt
Zurück nach Prag. Der Ausrichter der Konferenz hat sich über Jahre einen ganzen Zoo an Firmen zusammengekauft. Kleine, große, Start-ups. Auf dem Papier ein mächtiges Gesamtpaket.
Nur reden die Systeme darunter bis heute nicht sauber miteinander. An vielen Ecken hakt die Integration. Und sobald eine KI draufsitzt, fällt das brutal auf.
Die KI will arbeiten und rennt gegen eine Wand, weil sie an die Daten im Nachbarsystem schlicht nicht herankommt.
In vielen Firmen ist das gelebter Alltag. Laut einer aktuellen Untersuchung von MaibornWolff unter gut 300 Unternehmen verlieren 56 Prozent Zeit, weil ihre Programme nicht ineinandergreifen.
der Unternehmen verlieren Zeit, weil ihre Programme nicht ineinandergreifen.
Quelle: MaibornWolff, Befragung von rund 300 Unternehmen.
Gemeint ist genau dieses Gefühl: zu viele Systeme, die nicht zusammenpassen, doppelte Eingaben, ständiges Suchen und Hin- und Herklicken.
Der Mensch wird dann selbst zur Brücke und trägt Daten von Hand von einem System ins nächste. Hier liegt der eigentliche Grund, warum so viele KI-Projekte enttäuschen.
Die KI ist meist gar nicht das Problem. Ihr fehlt der Boden, auf dem sie laufen könnte. Denn ohne verbundene, verfügbare Daten wird selbst das beste Modell ausgebremst.
Und das kostet: In derselben Studie sagt nur jeder Vierte, dass sich seine Investitionen in Software und Digitalisierung am Ende wirklich auszahlen.
Das erklärt auch, warum ich bei jedem neuen Wundermittel von der Stange erstmal vorsichtig bin.
Copilot Cowork, der neuste KI-Agent von Microsoft, über den wir letzte Woche hier gesprochen haben, klingt auch erst mal verlockend. Doch ob ausgerechnet er sich im Mittelstand durchsetzt, bezweifle ich. Und das aus mehreren Gründen.
Einer davon: Er wird verbrauchsabhängig abgerechnet. Es gibt keinen festen Preis pro Kopf mehr, Du zahlst so viel, wie Du ihn nutzt.
Klar, dadurch kostet das nur mehr, wenn Du den Agenten auch wirklich einsetzt. Aber genau diese Unsicherheit führt dazu, dass viele es gar nicht erst ausprobieren. Denn niemand kann ihnen vorher sagen, ob sich das am Ende überhaupt rechnet.
Und ein neues Tool ist eben noch kein Fundament. Bevor Du die nächste Software oder den nächsten KI-Agenten anschaffst, zählt eine andere Frage: Steht Deine Basis überhaupt? Sind Deine Daten verbunden und kannst Du die laufenden Kosten kalkulieren?
Die wenigsten können das aus dem Stand beantworten. Und genau dieses Fundament sichtbar zu machen, ist unsere Arbeit. Wer den Schritt überspringt, kauft sich Tempo auf einem Boden, der es nicht trägt.
3. Das Fundament, das jeder überspringt
Stell Dir vor, mitten im WM-Finale läuft auf einmal weltweit auf jedem Sender etwas ganz anderes als das Spiel... zum Beispiel nur noch das hier.
Ich weiß, klingt total unrealistisch. Doch wir waren vor einigen Tagen nur einen Klick entfernt. Ein Sicherheitsforscher hat sich dafür nicht mal anstrengen müssen.
Die FIFA hat eine öffentliche Seite, auf der sich jeder als Spielervermittler registrieren kann. Ausweis hochladen, E-Mail bestätigen, fertig.
Mit dieser Anmeldung landete er automatisch im internen System der FIFA, an dem alle anderen Systeme mit dranhängen. Die Seite zeigte ihm zwar brav „Kein Zugriff". Aber das war nur die Anzeige im Browser.
Der Server dahinter hat trotzdem alles ausgeliefert, wonach er gefragt hat. Am Ende saß er an der Steuerung sämtlicher Live-Kamera-Feeds der WM.
Seine Rechte: Lesen und verändern. Er hätte jeden Stream abschalten oder eben sein eigenes Video einspielen können, weltweit, mitten im Spiel. Zum Glück hat er nichts davon getan und das Loch sofort gemeldet.
In einem Blog zeigt er die ganzen Möglichkeiten, die er gehabt hätte: FIFA World Cup Hack.
Warum niemandem die Lücke vorher aufgefallen ist, weiß keiner genau. Zeitdruck, Bequemlichkeit, ein Flüchtigkeitsfehler? Von außen nicht zu sagen. Klar ist nur eins: Es war reines Glück, dass zuerst ein ehrlicher Finder draufgestoßen ist und nicht jemand mit bösen Absichten.
Für Dich steckt darin dasselbe Muster wie in den ersten beiden Themen. Oben wird schnell gebaut, gebucht und angebunden. Und unten schaut keiner, ob das Fundament darunter solide ist. Hier heißt dieses Fundament Sicherheit.
Die FIFA ist ein Milliardenapparat mit garantiert teuren und hochwertigen Dienstleistern. Trotzdem stand die Tür sperrangelweit offen.
Größe und Budget schützen vor so etwas nicht zwingend. Die eigentliche Frage ist deshalb: Schaut in Deinen Systemen wirklich jemand auf die Sicherheit oder baut sich da still ein Risiko auf, von dem keiner weiß?
Deshalb mein ehrlicher Rat:
- Frag bei jeder neuen Software und jedem neuen KI-Helfer zuerst, wer am Ende die Verantwortung für die Sicherheit trägt.
- Gib nichts und niemandem mehr Zugriff, als wirklich nötig ist.
Wer hier wegschaut, gewinnt vielleicht kurz an Tempo, riskiert jedoch im Zweifel die ganze Firma.
Das war der Shortcut für diese Woche!
Ein zu langer Bericht, eine Software, die nicht zusammenspielt, ein offenes Tor bei der FIFA. Drei verschiedene Dinge, ein blinder Fleck: Wir bauen oben schneller, als wir unten das Fundament prüfen.
Die kluge Antwort ist „die Mitte": erst Klarheit schaffen, dann investieren.
Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team
Aber ein Hinweis: Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach. Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht. Wenn Du in Zukunft zu den Ersten gehören willst und immer die aktuellsten News erfahren willst, trag Dich unten ein.
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