IT-Resilienz 2026: Kontrolle ist nur eine Annahme
2026 zeigt uns jetzt schon was passiert, wenn Selbstverständlichkeiten wegfallen
Verantwortung rückt näher an jeden Einzelnen heran. Deutlich mehr liegt inzwischen in der eigenen Hand, als viele wahrhaben wollen.
Ich hoffe, Du bist gut in das neue Jahr gestartet und konntest die Feiertage ein wenig nutzen, um abzuschalten.
Wir haben den 08.01.2026. Und trotzdem fühlt es sich für mich schon wieder so an, als wäre 2026 längst im vollen Lauf.
Denn allein in den ersten Tagen ist bereits genug passiert, um klarzumachen: Dieses Jahr wird nicht langsam.
Die jüngsten Ereignisse in Venezuela, bei denen politische Macht sehr direkt ausgeübt wird und die Stromausfälle in Berlin zeigen: Überall kann etwas passieren.
Einige Sicherheiten, auf die wir uns verlassen, scheinen brüchiger zu werden. Entsprechend nehmen Unsicherheiten zu.
Und dadurch verschiebt sich auch etwas Entscheidendes: Verantwortung rückt näher an jeden Einzelnen heran.
Kontrolle ist oft nur eine Annahme
Der Stromausfall in Berlin hat aus einem lange nur theoretischen Szenario plötzlich Realität gemacht.
Und er hat auch wieder eines gezeigt: Wie selbstverständlich wir mit Dingen umgehen, solange sie einfach funktionieren. Strom gehört zum Normalzustand. Er ist da. Immer.
Solange das so ist, wird er wenig geschätzt, nicht hinterfragt und schon gar nicht als Risiko wahrgenommen. Er läuft im Hintergrund mit. Wie Internet, Mobilfunk oder digitale Dienste. Wir merken sie erst dann, wenn sie fehlen.
In dem Moment, in dem der Strom weg ist, ändert sich das schlagartig. Aus etwas Selbstverständlichem wird ein akutes Problem.

Plötzlich stehen zwischen 45 bis 50.000 Haushalte ohne Strom und rund 2.200 Unternehmen vor existenziellen Problemen.
Für viele Unternehmen davon hieß das: Stillstand. Und damit auch keine Geschäftsfähigkeit.
Denn wenn der Strom ausfällt, bleibt nicht nur das Licht weg. Dann stehen Prozesse, Abläufe und im Zweifel ganze Wertschöpfungsketten. Die Berliner Wirtschaft rechnet bereits mit Schäden in Millionenhöhe.
Was mich daran weniger beschäftigt, ist die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Ob politisch motiviert, ideologisch aufgeladen oder einfach schlecht gemacht.
Am Ende sabotieren wir uns damit selbst. Und das ist weder aus politischer noch aus praktischer Sicht zielführend.
Spannender für mich ist die zweite Ebene. Denn solche Ausfälle sind ein Anlass, eigene (unternehmerische) Annahmen zu überprüfen: "Lokale Systeme wären mit mehr Sicherheit verbunden".
Server im Keller. Eigene Infrastruktur. Mehr Kontrolle. Das klingt erst einmal plausibel. Ist es aber nur auf dem Papier. Ohne Strom hilft auch der Server im Keller wenig.
Diese lokalen Systeme wären genauso betroffen gewesen. Ein Weg für Unternehmen auch bei Stromausfall weiterarbeiten zu können wäre es alle Daten in einer Cloud zu haben.
Denn das hätte zumindest Handlungsspielräume eröffnet. Mit einem eigenen Heizer, Starlink und Cloud-Zugängen wäre Arbeiten im Zweifel überall möglich.
Aber auch das basiert auf einer Annahme und ist eine Risikoabwägung. Denn auch Cloud-Anbieter können ausfallen. Haben wir ja im letzten Jahr auch öfter beobachtet (siehe AWS und Cloudflare Ausfälle).
Deshalb greift die Diskussion Cloud gegen lokal zu kurz. Heute ist es Strom. Morgen ist es Internet. Übermorgen Software.
Mir geht es nicht darum, ein Modell zu bewerten oder das andere schlecht zu reden. Mir geht es darum, Denkprozesse anzustoßen.
Abhängigkeit fühlt sich vor allem dann unangenehm an, wenn sie sichtbar wird. Wenn Strom, Internet oder Mobilfunk plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, welches System das richtige ist. Sondern: Wie viel Kontrolle geben wir freiwillig ab? Wo übernehmen wir bewusst Verantwortung? Und welches Risiko sind wir bereit einzugehen?
2026 wird uns mit genau diesen Fragen häufiger konfrontieren.
Irgendwo zwischen Anspruch und Realität
Diese Risiko und Verantwortungsfrage stellen wir uns auch regelmäßig bei top.media. Denn wenn sich Rahmenbedingungen verändern, reicht es nicht, einmal im Jahr über das eigene Portfolio zu schauen und dann einen Haken zu setzen.
Ein Schwerpunkt liegt bei uns dabei klar auf der Nutzung von KI. Und damit automatisch auf der Frage, welche Software, welche Dienste und welche Anbieter wir einsetzen und empfehlen. Vor allem mit Blick auf Alternativen zu US-Diensten.
Es gibt sie, diese Lösungen aus Europa. Viele davon sind nur schlicht unbekannt oder nicht in der Lage zwischen anderen Diensten zu kommunizieren.
Auf der KI-Seite sind wir aktuell bei vielen Kunden mit Microsoft Copilot unterwegs. Copilot ist tief in bestehende Microsoft-Systeme integriert, greift auf Daten aus Outlook, Teams, SharePoint und Co. zu und arbeitet in einem geschlossenen Unternehmenskontext.
Doch auch wenn Microsoft eng mit OpenAI zusammenarbeitet, zeigt die Praxis, dass zum Beispiel ChatGPT (oder andere KI Dienste) in vielen Fällen qualitativ weiter ist.
Copilot nutzt zwar ebenfalls Sprachmodelle aus dem OpenAI-Umfeld, funktioniert aber innerhalb eines stark reglementierten Systems.
Das hat Vorteile bei Kontrolle und Integration, bringt aber auch klare Einschränkungen mit sich.
Hinzu kommen weitere Fragen, die wir sehr ernst nehmen. Gibt es unter Berücksichtigung der DSGVO bessere Alternativen für deutsche Unternehmen? Wie gut funktioniert lokale künstliche Intelligenz inzwischen wirklich? Und wo macht sie heute schon Sinn?
All das führt dazu, dass wir unser Portfolio als laufenden Prozess bewusst überdenken.

Wichtig ist uns dabei eines: Wir wollen nicht nur beraten. Wir wollen aktiv unterstützen, umsetzen und mitentwickeln.
Und wir wollen für unsere Kunden die volle Verantwortung übernehmen können. An dieser Stelle kommen wir aktuell an Microsoft nicht vorbei. Wie schon öfter geschrieben: Microsoft ist schlicht in vielen Bereichen das beste Übel.
Die Partnerstrukturen funktionieren, die Systeme greifen ineinander und Unternehmen können damit gut arbeiten und tun es in den meisten Fällen sowieso schon.
Würde ich mir eine starke europäische Alternative wünschen? Absolut. Gibt es sie heute in dieser Breite und Reife? Zumindest kenne ich sie noch nicht.
Genau deshalb halten wir auch 2026 die Augen offen. Aus dem Anspruch heraus, unseren Kunden langfristig sinnvolle und verantwortbare Lösungen anbieten zu können.
Ich möchte 2026 zurück zum "selber machen"
Ein Punkt, der für mich dieses Jahr eine größere Rolle spielen wird, hat mit meinen eigenen Fähigkeiten zu tun.
Programmieren begleitet mich seit meiner Jugend. Und ich liebe es, Dinge zu entwickeln und bauen. Das ist in den letzten Jahren im Alltag etwas in den Hintergrund gerutscht.
Der Teil, bei dem ich aus einer Idee selbst etwas entwickeln kann, hat mir gefehlt. Genau da will ich wieder stärker rein.
Vor allem, weil sich die Spielregeln verändert haben. Mit den Möglichkeiten, die KI heute bietet, lassen sich Ideen und Projekte deutlich schneller umsetzen als früher.
Vibe Coding
Ein gutes Beispiel: Die Mensa-Plattform meiner Kinder. Es gab ein konkretes Problem, eine Idee und dann konnte ich es einfach bauen. Genau so möchte ich 2026 auch arbeiten – nur eben nicht für Schulprojekte, sondern für unternehmerische Lösungen.
Mir geht es dabei vor allem um Systeme, die miteinander arbeiten und ineinandergreifen. Denn Tool Flickenteppiche sind eines der größten Probleme heutiger IT-Landschaften. Das möchte ich bewusst vermeiden.
Ein weiterer Punkt betrifft meine eigene Infrastruktur. Diese hinterfrage und teste ich regelmäßig.
Aus dem gleichen Grund wie auf unternehmerischer Ebene, Abhängigkeiten bewusst zu wählen, hab ich auch meine Apple-Produkte kritisch hinterfragt.
Apple geht meiner Einschätzung nach zwar vergleichsweise verantwortungsvoll mit Nutzerdaten um. Und das ist auch einer der Gründe, warum ich diese Systeme lange genutzt habe.
Aber trotzdem gilt auch hier: Es ist eine bewusste Entscheidung für einen US-Anbieter. Wobei es gleichzeitig viele weitere Alternativen gibt.

In meinem Testing hab ich bereits gemerkt: Für viele der Dinge, die Apple stark machen, gibt es auch anderswo Lösungen. Du musst sie nur kennen und bereit sein, über den eigenen Tellerrand zu schauen.
Ein gutes Beispiel für ein attraktives Feature von Apple ist AirDrop. Doch auch dafür habe ich Lösungen bei anderen Herstellern mit ähnlichem Funktionsumfang getestet, die zuverlässig funktionieren.
Die entscheidende Frage ist auch hier wieder, wo meine Daten dann landen.
Wenn ich das alles zusammennehme, sehe ich auch technologisch eine klare Entwicklung: Weg von geschlossenen Plattformen, hin zu flexibleren Ansätzen.
Auch zum Beispiel Web-Applikationen erleben aus meiner Sicht eine Renaissance. Sie sind unabhängig vom Gerät, leichter integrierbar und oft langlebiger als spezialisierte Apps.
Und auch lokale KI und lokale Modelle entwickeln sich weiter. Noch nicht perfekt, aber deutlich besser als noch vor kurzer Zeit. Für viele Anwendungsfälle wird das 2026 eine echte Option.
Genau in diesem Spannungsfeld möchte ich mich dieses Jahr bewegen. Mehr bauen. Mehr ausprobieren. Mehr bewusst entscheiden.