Jede Woche muss ich bei unserem Essenslieferanten das Menü für die ganze Familie zusammenstellen und auswählen.
Und diese vermeintlich kleine Aufgabe hat mich bei mittlerweile 80 Gerichten Auswahl und den Vorlieben und Unverträglichkeiten meiner Kinder jede Woche aufs Neue Nerven gekostet.
Irgendwann reichte es mir. Also habe ich einen Agenten drangesetzt, der nach allen Kriterien viel besser selektieren kann und mir die Auswahl abnimmt. Eine Weile lief das erstaunlich gut.
Doch dann wurde der Ablauf immer schwieriger. Die Seite wollte den Agenten mit aller Macht draußen halten und so wurden die Schnittstellen abgebrochen und Zugänge verweigert.
Überall im Internet werden gerade Agenten losgeschickt, um für Menschen zu handeln und Aufgaben zu erledigen. Doch an sehr vielen Stellen wehrt sich das Netz dagegen.
Diese Entwicklung verändert gerade zwei Dinge für Dich: wie Kunden zu Dir finden und wie Du selbst arbeitest. Die Frage ist, ob Du diese Entwicklung für Dich arbeiten lässt oder ob sie gegen Dich läuft.
Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.
Unsere heutigen Themen:
Laut Cloudflare hat der Bot-Traffic im Netz den menschlichen erstmals überholt.
Erstmals mehr Maschinen als Menschen im Netz. Quelle: Cloudflare.
Dieser Wendepunkt kam viel schneller, als die Experten erwartet hatten.
Wichtig zur Einordnung ist, was da als „Bot" unterwegs ist. Denn es sind nicht mehr nur „Crawler", die Seiten einlesen. Es sind Agenten, also KIs, die selbst handeln, statt nur zu antworten. Im Auftrag von Menschen surfen sie, vergleichen, checken Preise und kaufen teilweise sogar ein.
Selbst Bezahlschienen für Agenten entstehen schon. Visa baut sie mit Intelligent Commerce und Mastercard mit Agent Pay, damit ein Agent künftig leichter und sicherer eigenständig auschecken und bezahlen kann.
Die Entwicklung ist klar: Es wird in Zukunft noch mehr Agenten geben und nicht weniger.
Der Grund dahinter: Früher galt ein einfacher Deal. Eine Suchmaschine durfte Deine Seite lesen und schickte Dir dafür Besucher.
Die KI bricht diesen Deal. Sie liest Deinen Inhalt aus und beantwortet die Frage des Nutzers direkt im Chat, der Mensch landet gar nicht mehr bei Dir. Und Dein Inhalt füttert obendrein die KI, oft kostenlos.
Deshalb geben Infrastruktur-Anbieter den Seitenbetreibern die Kontrolle zurück. Cloudflare zum Beispiel blockt KI-Agenten inzwischen standardmäßig und lässt sich den Zugriff auf Seiten teils sogar bezahlen.
Genau dieses Blockieren habe ich auch bei meinem Essenslieferanten erlebt.
Und hier liegt eine Entscheidung, die viele gar nicht bewusst treffen: Lässt Du Agenten auf Deine Website oder sperrst Du sie aus?
Setzt Du zum Beispiel auf Cloudflare, blockst Du sie vermutlich längst standardmäßig, ohne es je entschieden zu haben.
In den meisten Fällen willst Du jedoch erreichbar sein, also lässt Du Agenten rein. Wegsperren solltest Du nur das, wo wirklich sensible Daten liegen (die ohnehin nicht offen im Netz stehen sollten).
Nachdem Du Deine eigene Tür für Agenten und KI definiert hast, kommt das nächste Thema: Wie findet Dein zukünftiger Kunde zu Dir?
Möglicherweise sagt er nur noch „finde mir den besten Anbieter für [Problem]", der Agent sucht, vergleicht und legt ihm zwei, drei Namen vor. Und steht Deiner nicht dabei, existierst Du für diesen potenziellen Kunden nicht.
Doch das Ausmaß davon wird nicht bei jedem gleich sein. Die Faustregel ist simpel.
Je standardisierter und vergleichbarer Dein Geschäft, desto eher übernimmt ein Agent.
Onlineshop, Tickets, Standardprodukte, da kann ein Agent gut für den Menschen suchen, vergleichen und sogar kaufen.
Zum Beispiel, wenn Du sagst „such mir die 5 besten Powerbanks für Kriterium X, Y. Vergleiche sie, wähle die mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis aus und bestell sie".
Je erklärungsbedürftiger und vertrauensbasierter Deine Leistung oder Dein Produkt ist, desto länger wird der Kunde bei der Entscheidung selbst am Steuer sitzen.
Wer einen neuen Steuerberater oder einen Fachexperten sucht, lässt heute in der Regel noch keinen Agenten die Entscheidung treffen. In einigen Monaten vielleicht schon.
Und die Vorauswahl macht der Agent zunehmend jetzt schon. Er sortiert und sucht für Deine Kunden, wer überhaupt auf die Liste kommt.
Mach jetzt mal folgenden Test, er dauert nur zwei Minuten:
Gib Deinem Agenten oder Deiner KI die Aufgabe:
„Recherchiere und empfiehl mir die besten drei [Deine Branche]-Anbieter in [Deiner Zielgruppen-Region]."
Und? Ist Dein Unternehmen dabei? Und stimmt, wie der Agent oder die KI Dich beschreibt?
Mit diesem Ergebnis weißt Du schwarz auf weiß, wie sehr Dich das Thema heute schon betrifft.
Egal, ob Dein Unternehmen heute schon von Agenten und KI gefunden wird, lohnt sich für jeden eine Sache sofort: Ein Agent, der für Dich arbeitet.
Falls Du selbst noch nie mit einem Agenten gearbeitet hast, macht es Sinn erst mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie vielseitig die Möglichkeiten sind.
Ein Agent kann heute direkt auf Deinen Rechner, Deinen Server und auf so ziemlich alles zugreifen und dort arbeiten. Im Idealfall gibst Du ihm allerdings nur Zugriff auf einen abgesperrten, dedizierten Bereich.
Durch diesen Zugriff kann Dir ein Agent zum Beispiel aus 20 Angebots-PDFs alle Preise und Leistungen in eine saubere Excel-Datei ziehen.
Wenn das regelmäßig vorkommt, kann er das sogar als wiederkehrende Wochenarbeit erledigen.
Und das ist nur eines von vielen Beispielen, die Möglichkeiten sind fast grenzenlos... Du kannst mit Agenten auch ganze Ideen und Konzepte durchspielen, bevor Du Geld in die Hand nimmst.
Womit Du heute anfangen kannst, ist ein Agent, der erstmal nur liest, auswertet und vorbereitet. Der ist harmlos, sofern Deine Daten sicher verwaltet werden.
Ein Agent, der handelt, Mails verschickt, einkauft, frei in Deinen Systemen herumräumt, ist eine andere Hausnummer.
Deshalb behandelst Du Deinen Agenten wie einen neuen Mitarbeiter. Da würdest Du auch nicht einfach Deinen eigenen Login mit allen Rechten abgeben.
Er bekommt einen eigenen Zugang, freigeschaltet nur für das, was er für seine Aufgabe braucht. So bleibt der Schaden begrenzt, falls etwas schiefläuft. Und Du siehst jederzeit, was er getan hat.
Mein Favorit für den Agenten selbst ist aktuell Claude, beziehungsweise Claude Cowork. Und genau für den eigenen, abgegrenzten Zugang hat Anthropic, die Firma hinter Claude, ein eigenes Tool veröffentlicht. Dadurch bekommt der Agent eine eigene Identität mit fest umrissenen Rechten.
Letzte Woche hat sogar Microsoft mit Copilot Cowork einen eigenen Agenten nachgelegt, der Aufgaben in Deiner Microsoft-Welt erledigen kann. Um ihn zu nutzen, musst Du aktuell allerdings ein paar der Datenschutz-Grenzen lockern, die Microsoft sonst setzt.
Doch der erste Schritt ist wie immer nicht das Tool, das habe ich auch schon öfter gesagt... Es ist der Prozess.
Deswegen nimm Dir eine wiederkehrende Aufgabe, die Dir Zeit frisst.
Dann spürst Du den wahren Hebel der Technik zum ersten Mal.
Das war der Shortcut für diese Woche!
Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team
Aber ein Hinweis: Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach. Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht. Wenn Du in Zukunft zu den Ersten gehören willst und immer die aktuellsten News erfahren willst, trag Dich unten ein.
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