Eine Beobachtung dieser Woche hat mich aufhorchen lassen. OpenAI und Anthropic, die zwei wichtigsten KI-Anbieter der Welt, bauen sich gerade mit Milliardenkapital eigene Beraterarmeen auf.
Sie fangen an Menschen in Unternehmen zu schicken, um ihre KI dort einzubauen. Das klingt nebensächlich. Ist es aber nicht.
Denn es ist ein Eingeständnis: Ihre eigenen Modelle landen nicht von alleine in einem Unternehmen. Das große, automatische KI-Versprechen, Du kaufst die Lizenz zur KI und sie macht den Rest, stimmt nicht.
Was wie ein Schritt nach hinten klingt, ist eine klare Botschaft nach vorne. KI bleibt Arbeit. Sie bleibt menschlich.
Und sie zwingt Dich zu einer Frage, die mit Unternehmensführung zu tun hat. Was machst Du selbst, was gibst Du ab und was passiert mit dem, was Du abgibst?
Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.
Unsere heutigen Themen
OpenAIs Deployment Company ist keine kleine Initiative. Vier Milliarden Dollar Startkapital, große Beratungspartner und dazu die Übernahme einer 150-Personen-Beratung.
Das Prinzip dahinter: Die Software wird nicht mehr nur über die Theke gereicht. Stattdessen schicken sie eigene Leute direkt zum Kunden, die sich ins Unternehmen setzen und lernen, wie der Laden wirklich läuft. Erst daraus entsteht die Lösung.
Anthropic geht über eine eigene Services-Firma mit Investoren wie Blackstone und Goldman Sachs denselben Weg, sodass am Ende die eigenen Ingenieure direkt im Kundenunternehmen sitzen.
Zwei Konkurrenten, dieselbe Bewegung, und beide sagen damit dasselbe. Die Technologie alleine reicht nicht.
Ein Modell ist erstmal nur ein Werkzeug. Was es wert ist, entscheidet der, der weiß, wo es im Unternehmen Sinn macht und wo nicht.
Das ist eine Verschiebung im Geschäftsmodell der Anbieter. Vor zwei Jahren waren OpenAI und Anthropic reine Technologie-Lieferanten.
Du hast einen Zugang gebucht und der Rest war Deine Sache. Heute dagegen klopfen sie mit Beratern und Implementierungs-Teams an die Türen größerer Mittelständler und Konzerne.
Sie wollen nicht mehr nur liefern, sondern drin sitzen, mitbauen und langfristig dabei bleiben.
Für Dich als Unternehmer heißt das vor allem eins. Wer in den nächsten 12 Monaten ein KI-Projekt plant, sollte sich vom reinen Anbieter-Pitch verabschieden, weil es auch kompetente Menschen brauchen wird.
Die Frage ist nur, welche sind das und in welcher Form arbeiten sie mit Dir.
Mein Rat dazu
Plane KI-Projekte immer wie klassische Beratungs- und Implementierungsprojekte und nicht wie einen Software-Kauf.
Das ändert Dein Vorgehen, Dein Budget und Deine Erwartung an den Anbieter.
Wenn jetzt externe Teams und Berater in Unternehmen einziehen, wird eine alte Frage plötzlich wieder größer. Was passiert eigentlich mit dem, was wir wissen?
Die Modelle gleichen sich an, die Agenten gleichen sich an und über kurz oder lang ist das alles austauschbar. Was dann zählt, ist nicht mehr, welches Modell Du nutzt, sondern das Wissen, das Du ihm gibst.
Also welcher Kunde wann was bekommen hat und welche Entscheidung aus welchem Grund gefallen ist.
Dieses Wissen liegt in den Köpfen Deiner Leute. Wer in der Eventbranche arbeitet, weiß, wie ein Eventprojekt läuft.
Niemand kann Dir dieses Wissen wegnehmen. Auch kein externes KI-Team von OpenAI oder eine Beratung.
Sie haben diese Erfahrung schlicht nicht. Sie kommen ohne in Dein Haus und gehen ohne ihr wieder raus.
Du kannst Deine Steuerung und Verantwortung abgeben. Das passiert immer dann, wenn Du einer externen Person erlaubst, allein zu entscheiden, was bei Dir wie eingebaut wird.
Und es passiert schleichend, wenn Du irgendwann selbst nicht mehr verstehst, was im eigenen Haus eigentlich läuft.
Wie viel Kontrolle möchtest Du?
Diese Gefahr gibt es nicht nur bei den Beratern von OpenAI und Anthropic. Sie stellt sich bei jedem externen Partner, der gerade bei Dir im Haus ist oder demnächst kommen wird.
Externe Hilfe ist dabei nichts Schlechtes, im Gegenteil. Kaum ein Unternehmen kann und will alles selbst stemmen und wer auf das Thema KI null Lust hat, gibt es eben komplett ab.
Auch das ist völlig in Ordnung. Denn Abhängigkeit an sich ist nicht das Problem.
Das Problem ist, in sie hineinzurutschen, ohne es zu merken.
Entscheidest Du Dich bewusst dafür, ist es eine kalkulierte unternehmerische Entscheidung. Passiert es einfach so, ist es ein Kontrollverlust.
Geh einmal Dein Unternehmen durch und sortier in zwei Spalten.
Die Zwei-Spalten-Übung
Links: Das, was bei Dir bleiben muss, weil nur Du weißt, wie Deine Branche funktioniert.
Rechts: Das, was Du guten Gewissens abgeben kannst, weil es Arbeit ist, die überall gleich aussieht.
Und bevor Du etwas in die rechte Spalte schiebst, stell Dir eine einzige Frage. Will ich das hinterher noch selbst verstehen und steuern, oder gebe ich es bewusst ganz aus der Hand?
Beide Antworten sind erlaubt. Du musst sie nur einmal aktiv getroffen haben.
Wir haben geklärt, was sich draußen ändert und worauf Du intern aufpassen musst. Bleibt noch die nächste Frage: Wo fängst Du eigentlich an?
Einfach gesagt: Fang bei dem an, was Dich nervt und ineffizient ist. Allerdings gewöhnen wir uns schnell an Ineffizienz. Die Krücke wird zur Gewohnheit und Gewohnheiten optimieren die wenigsten.
Deshalb hilft es, mit fremden Augen draufzuschauen. Frag am besten jemanden, der erst seit kurzer Zeit bei Dir arbeitet, was ihm komisch vorkommt.
Und hast Du so eine Stelle gefunden, ist die gute Nachricht: Die Lösung ist oft kleiner und einfacher, als Du denkst.
Denk zum Beispiel einmal an Microsoft. Die allermeisten nutzen es aus gutem Grund, weil es für den großen Rahmen nach wie vor das beste verfügbare System ist und daran ändert sich auch aktuell vermutlich nichts.
Aber die ganzen Tools in Microsoft sind immer für den Durchschnitt von Millionen Nutzern gebaut. Die kleinen, speziellen Dinge, die genau Dein Unternehmen ausmachen, deckt es nicht ab.
Für diese Ecken zahlst Du am Ende mit umständlichen Workarounds, die sich irgendwie um die Software herumbiegen.
Genau da liegt heute die Chance. Niemand muss Microsoft ersetzen, das wäre Unsinn. Aber für diese gewissen Lücken lassen sich heute relativ schnell schlanke Lösungen bauen, die exakt zu Deiner Anforderung passen.
Nur kann das kaum jemand selbst. Dafür braucht es eine Person, die sich neutral anschaut, was Du wirklich brauchst und dann genau diesen Teil bauen kann.
Was vor vier Jahren eine Eigenentwicklung für 40.000 Euro gewesen wäre, ist heute oft ein fokussierter Nachmittag, solange das Wissen da ist.
Such Dir diese Woche eine einzige Stelle, an der Du eine Krücke vermutest oder schon erkannt hast.
Damit Du ein Gefühl bekommst, was gemeint ist, ein paar Beispiele aus der Praxis:
Drei Beispiele aus der Praxis
Was keinen Sinn macht, ist der Versuch, ein komplettes Branchensystem oder Dein ERP nachzubauen.
Es reicht, wenn Du mit einer einzigen Aufgabe anfängst, von der Du oder Deine Leute sagen „eigentlich müsste das anders gehen".
Dann beschreib das Problem in zwei, drei Sätzen. Und frag Dich, ob das wirklich noch eine Standardsoftware braucht oder ob ein schlankes, individuelles Werkzeug besser wäre, das nur diese eine Sache richtig macht.
Hinweis
Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach.
Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht.
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Das war der Shortcut für diese Woche!
Und genau das ist im Übrigen unser täglich Brot. Solche individuellen, schlanken Lösungen zu bauen ist für uns Alltag.
Wir schauen uns Deine konkrete Krücke an und bauen Dir genau das Werkzeug, das sie löst.
Wenn Du so etwas im Kopf hast, antworte einfach auf diese E-Mail oder buche Dir direkt einen Termin bei mir und beschreib mir Deine Herausforderung. Und falls Du Dir noch unsicher bist, schauen wir gemeinsam, wo Deine Krücken liegen.
Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team