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Verwalten, Trends hinterherlaufen oder bewusst steuern?

Geschrieben von Patrick Lenz | Jul 16, 2026 8:00:00 AM
The Shortcut

Nicht das Neueste gewinnt. Und nicht das Älteste verliert.

Ich habe mir wieder einen Plattenspieler gekauft. Einen kleinen, portablen, den ich sogar im Camper mitnehmen kann.

Seitdem lege ich abends eine Platte auf, mache mir was zu trinken und zelebriere einfach die Musik. Und ganz ehrlich, musikalisch sind meine alten 70er und 80er bis heute kaum zu schlagen.

Manches Alte hat eben etwas erreicht, das man kaum noch besser machen kann. Und ich wähle es ganz bewusst.

So einen Plattenspieler wählst Du aus Überzeugung. Bei der Technik in vielen Unternehmen war das am Anfang nicht anders. Sie war damals neu und richtig gut, eine bewusste Entscheidung.

Nur ist diese Entscheidung oft Jahre her. Seitdem läuft das System einfach weiter und niemand hinterfragt es nochmal. So veraltet es still. Und darin steckt eine teure Falle.

Diese Woche geht es deshalb um eine Frage, die fast jeden Mittelständler betrifft. Wann ist alt wertvoll und wann fesselt es Dich?

Und was heißt das, wenn draußen im Wochentakt neue KI-Modelle rauskommen?

Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.

Unsere heutigen Themen:

  1. Das Neueste ist nicht unbedingt Dein Vorteil
  2. Deine eigene Geschichte als Fessel
  3. Wer bewusst steuert, gewinnt

1. Das Neueste ist nicht unbedingt Dein Vorteil

Im Wochentakt kommt aktuell ein neues KI-Modell raus, gerade erst wieder ein günstigeres von Anthropic (Claude). Und jeder Anbieter ruft, seins sei das Beste.

Nur kannst Du das von außen gar nicht beurteilen. Diese ganzen Benchmarks sind wie Schulnoten. Sie geben Dir eine Zahl, sagen aber nichts über Deinen konkreten Fall.

Ich sehe das bei mir jeden Tag. Ich habe drei Claude-Abos parallel laufen, mit einer selbst gebauten Lastverteilung, alle auf dem für mich am besten funktionierenden Modell.

Und obwohl gerade ein neues Modell rauskam, habe ich meine Workflows nicht darauf umgestellt. Weil das, was ich drumherum gebaut habe, mehr rausholt als jedes frische Modell von der Stange.

Es kommt eben komplett auf Deinen Anwendungsfall an und darauf, wie Du die Modelle nutzt. Fütterst Du sie mit Deinen eigenen Daten, steckst Du sie in einen festen Ablauf und gibst ihr klare Vorgaben? Oder tippst Du nur ab und zu eine Frage oder Aufgabe ins Chatfenster?

Ein bekannter Tech-Investor beschreibt es so: Ein rein technischer Vorsprung, etwa ein bestimmtes Modell, ist oft schon nach rund einem Jahr eingeholt.

Den bleibenden Vorsprung holst Du also aus dem, was Du über die Zeit aufbaust: eingespielte Abläufe, saubere Daten, Erfahrung im Team. Das kann Dir kein neues Werkzeug wegnehmen.

Und wenn sogar die Anbieter mit den Modellen allein nicht lange vorne bleiben, dann ist für Dich als Nutzer erst recht klar: Ob Du das Neueste hast, ist kaum entscheidend. Es zählt, was Du daraus machst.

Dazu kommt: Den neuesten Zugang hast Du oft gar nicht in der Hand.

Die USA behalten ihre stärksten Modelle aus Sicherheits- und Wettbewerbsgründen teils im eigenen Land.

Und in der EU kommen manche Funktionen wegen Datenschutz- und Regulierungsauflagen gar nicht erst an, siehe das neue Siri. Ob Du das Neueste überhaupt bekommst, liegt also nicht allein bei Dir.

Umso weniger solltest Du Deine Strategie auf das jeweils neueste Tool setzen. Und wenn Du da eher zurückhaltend bist, ist das übrigens nicht unbedingt ein Nachteil.

Denn auch Dein Vorteil war noch nie das neueste Werkzeug. Er liegt in dem, was Du daraus machst.

2. Deine eigene Geschichte als Fessel

Vorsprung kannst Du auf zwei Wegen suchen. Vorne etwas Neues draufsetzen, doch das bringt Dich, wie gerade gesehen, meist kaum weiter.

Oder hinten das loswerden, was Dich ausbremst. Und da sitzt bei den meisten das größere Thema: die alten Sachen, an die Du gekettet bist.

Ich erlebe das ständig bei Kunden. Der eine hält einen alten Windows-Rechner am Leben, weil eine wichtige Maschine in der Produktion nur damit spricht.

Der nächste hat eine teure Anlage, die noch tadellos läuft und viel zu wertvoll zum Ersetzen ist. Der Haken: Sie funktioniert nur mit einem uralten Betriebssystem. Und um die gute Maschine zu behalten, hält er also ein längst veraltetes, unsicheres System am Leben.

Es gibt sogar einen ganzen Markt dafür, alte, löchrige Software am Leben zu halten. Ich ziehe den Hut vor dem Geschäftsmodell.

Aber Systeme, die unsicher wie ein Schweizer Käse sind, künstlich weiterzubetreiben, ist eben auch ein bisschen absurd.

Und hier musst Du sauber unterscheiden. Ein stabiles, gepflegtes System darf bleiben (wie eine gute Platte). Aber Technik, die stehengeblieben ist und Dich blockiert, ist keine Nostalgie mehr. Sie ist eine Fessel.

Das Tückische daran: So ein altes System fällt selten laut aus. Es läuft ja. Der Preis ist unsichtbar. Denn jede neue Idee, jede Automatisierung, jede Anbindung musst Du außen herum bauen.

Das Alte setzt still die Obergrenze für alles Neue, das Du überhaupt versuchen kannst. Denn Alt und Neu passen oft nicht zusammen: Das praktische neue Tool bekommst Du gar nicht angebunden, weil dem alten System die Schnittstellen fehlen. So bremst ein einziges veraltetes Teil alles andere aus.

Und es wird jedes Jahr teurer: Je länger Du wartest, desto mehr hängt an dem alten Ding, desto größer wird der spätere Umbau.

Warten ist also nicht die günstige Option. Es ist die teuerste.

Von den Opportunitätskosten ganz abgesehen.

Lange war das Festhalten nachvollziehbar, weil neue Software teuer und aufwendig war. Doch auch das hat sich radikal geändert.

Gute Software zu bauen und zu pflegen ist zuletzt massiv billiger geworden, mit KI und Automatisierung. Was früher unverrückbar schien, ist heute beweglich.

Nur viele Softwarehäuser ruhen sich noch auf alten Lorbeeren aus. Und auch bei Dir heißt „läuft doch noch" oft nur, dass Du nie gesehen hast, wie viel besser es ginge. Eine Chance, die Du nicht kennst, kannst Du auch nicht vermissen.

Deshalb bringt bloßes Grübeln wenig. Es hilft erst, wenn Dir jemand zeigt, was heute möglich wäre.

3. Wer bewusst steuert, gewinnt

Und jetzt legen wir beide Teile übereinander. Das Neueste ist nicht unbedingt Dein Vorteil. Und das Alte ist beweglich geworden.

Was entscheidet also dann über Deine Position? Es ist die Frage, ob Du bewusst steuerst oder Dich treiben lässt.

Und Treibenlassen hat zwei Gesichter, die sich völlig gegensätzlich anfühlen. Das eine ruht sich auf dem Alten aus und lässt lieber alles, wie es ist.

Das andere Gesicht rennt jedem neuen Hype hinterher. Beides fühlt sich anders an, aber beides ist Verwalten, keins ist Führen.

Steuern heißt, eine unbequeme Frage regelmäßig zu stellen, für jedes System, alt wie neu:

Die eine Frage

Würde ich das heute nochmal genau so aufsetzen?

Ist die Antwort Nein, hast Du gerade eine Fessel gefunden, die Du sonst als „läuft doch noch" abgehakt hättest. Und Nein heißt nicht sofort wegwerfen. Es heißt bewusst entscheiden.

Behalte ich es mit offenen Augen, weil das Risiko okay ist? Oder lohnt sich der Wechsel? Beides ist völlig in Ordnung. Das Einzige, was Dich wirklich ausbremst, ist die Frage nie zu stellen.

Mit genau dieser Klarheit hat auch ein Kunde von uns seine Branchensoftware zweimal in drei Jahren gewechselt.

Für eine Menge Geld, mit Höllenaufwand und viel Frust im Team. Aber er hat es durchgezogen, weil es sich gelohnt hat.

Und es gibt fast immer einen Weg. Die Frage ist nur, ob Du ihn gehen willst.

Der Wettbewerbsvorteil der nächsten Jahre gehört dem, der sein Unternehmen bewusst steuert, während fast alle anderen nur verwalten oder Trends hinterherlaufen.

Das große Ganze, Politik, Bürokratie, Weltlage, änderst Du nicht. Aber Dein eigenes Unternehmen hast Du in der Hand.

Wenn Du mit dieser einzigen Frage anfängst und Klarheit schaffst, bist Du den meisten schon einen Schritt voraus.

Das war der Shortcut für diese Woche!

Alt ist nicht das Problem. Stillstand ist es. Du darfst das gute Alte behalten, entscheide es nur bewusst. Den Plattenspieler behalten, den löchrigen Server ersetzen.

Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team

Aber ein Hinweis: Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach. Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht. Wenn Du in Zukunft zu den Ersten gehören willst und immer die aktuellsten News erfahren willst, trag Dich unten ein.

Welcher Alt-Anker lohnt sich noch und welcher bremst Dich?

Wenn Du bei Deinen eigenen Systemen ehrlich hinschauen willst, gucken wir uns das in Deinem Fall an. Wir zeigen Dir, wo Dich Technik still ausbremst und was heute möglich wäre.

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