Ich habe gute und schlechte Nachrichten

The Shortcut

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht

Egal wonach Du suchst und welche Schlagzeilen Du auch findest… diese Woche hab ich gemerkt, es gibt kein gut oder schlecht.

Ich hatte mir fest vorgenommen, diese Woche eine Ausgabe zu schreiben, die sich auf das Positive in der Welt konzentriert. Ein bewusster Perspektivwechsel in den aktuellen Zeiten…

Ich wollte raussuchen, was da draußen eigentlich Schönes passiert, abseits von den ganzen anderen negativen Themen, auf die ich jetzt gar nicht so sehr eingehen möchte. Ich wollte etwas teilen, das wieder Lust auf morgen macht.

Also habe ich mich hingesetzt und gesucht. Und gesucht. Und gesucht…

Und es hat mich mehr Kraft gekostet, als mir lieb war. Zwischen steigenden Preisen, einer hustenden Wirtschaft, politischen Schwankungen global wie lokal, musste ich die guten Nachrichten mit der Lupe suchen.

Am Ende bin ich bei einem Gedanken oder auch einer Erkenntnis gelandet. Vielleicht ist das Thema und der Nutzen dieser Ausgabe überhaupt nicht, etwas „Gutes” zu finden. Weil, wer bin ich, zu werten, ob das, was passiert, gut oder schlecht ist.

Vielleicht kommt es viel mehr darauf an, wo wir als Menschen und Mittelständler in diesem ganzen Wandel stehen. Und in diese Richtung gehen wir heute.

Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.

Unsere heutigen Themen

  1. Gut oder schlecht? Kommt drauf an, wo Du stehst
  2. Die Maschine oder doch lieber Handarbeit?
  3. Wo Dein echter Wert steckt

01

Gut oder schlecht? Kommt drauf an, wo Du stehst

In meiner Recherche auf der Suche nach „guten Nachrichten” bin ich über ein paar Artikel gestolpert, die ich spannend fand. Drei davon möchte ich Dir einfach mal teilen, mit dem vollen Bewusstsein, dass es sicherlich noch ein Dutzend weitere gäbe.

Ich finde, an diesen dreien siehst Du sehr gut, zu welcher Erkenntnis ich bei der Ausarbeitung gekommen bin.

Figure AI lässt seine Roboter 200 Stunden am Stück arbeiten

Schlagzeile bei heise.de · zum Artikel

Schlagzeile bei heise.de: Figure AI lässt seine Roboter 200 Stunden am Stück arbeiten

Fangen wir als Erstes mit der Robotics-Firma Figure an. 2022 wurde sie gegründet, 2023 kam bereits der erste Roboter und jetzt, keine drei Jahre später, steht schon ihr Modell Nummer drei an der Rampe.

Dieses Modell hat etwas geschafft, was ich sehr faszinierend finde. Drei dieser Roboter haben sich abgewechselt, quasi im Dreischichtbetrieb. Ging einem der Akku zur Neige, lief er von alleine zur Ladestation und die Schicht wurde unmittelbar von einem anderen Roboter übernommen. Das Ganze für 200 Stunden, ohne dass ein Mensch eingreifen musste. In dieser Zeit konnten die drei Roboter 250.000 Pakete sortieren.

Solche Innovationen sind in Deutschland auch bereits angekommen und in Entwicklung. Tesla lässt zum Beispiel in Grünheide die eigenen Mitarbeiter den Roboter Optimus anlernen.

Das gleiche passiert auch in Indien. Mitarbeiter filmen sich für ein paar Dollar die Stunde bei ihrer Arbeit, damit die Maschine lernt, was sie danach übernimmt. Diese Leute, ob bei Tesla in Deutschland oder in Indien, bringen ihren eigenen robotischen Nachfolgern das Handwerk bei. Sie trainieren mehr oder weniger ihren eigenen Untergang.

Für die Ingenieure der Roboter und für den Chef der Fabrik ist das ein Träumchen. Für die Menschen an der Maschine ist dieselbe Nachricht ein Schlag in die Magengrube und Unsicherheit über die Zukunft. Chance und Bedrohung zugleich.

Waymo beschleunigt: Milliarden für die globale Robotaxi-Expansion

Schlagzeile bei business-punk.com · zum Artikel

Schlagzeile bei business-punk.com: Waymo beschleunigt, Milliarden für die globale Robotaxi-Expansion

Lass uns weiter gehen zu dem Thema selbstfahrende Autos. Diese gibt es übrigens schon länger, als wir hier in Deutschland meinen würden. Waymo kutschiert in den USA seit 2018 zahlende Gäste durch die Stadt, seit 2020 sogar ganz ohne Sicherheitsfahrer am Steuer.

Und jetzt drehen sie richtig auf. Inzwischen fährt Waymo in vierzehn US-Städten, von San Francisco über Los Angeles und Austin bis nach Miami. Und der nächste Schritt ist schon eingetütet, mit Milliarden im Rücken geht es nach London und Tokio.

Für Dich als Fahrgast heißt das günstig und rund um die Uhr verfügbar. Für den Taxifahrer, der davon seine Familie ernährt, heißt dieselbe Zeile, dass sein Beruf ein Ablaufdatum bekommen hat. Chance und Bedrohung zugleich.

Roboterkoch brät am Bahnhof: Modellversuch in Leipzig

Schlagzeile bei heise.de · zum Artikel

Schlagzeile bei heise.de: Roboterkoch brät am Bahnhof, Modellversuch in Leipzig

Und dann noch ein weiterer Artikel, auf den ich gestoßen bin. In Leipzig steht jetzt am Hauptbahnhof ein Koch-Roboter. Im ähnlichen Stil gab es zuvor auch schon am Flughafen Leipzig/Halle einen Baristaroboter, den Kaffeeroboter Toto. Er hat den Kaffee jedoch so gut verkauft, dass die Händler ringsum über Umsatzeinbußen klagten.

Das Ergebnis? Er musste wieder weichen. Er lief zu erfolgreich für den Frieden am Flughafen. Heute steht er ebenfalls am Leipziger Hauptbahnhof.

Für den Reisenden mit Hunger und wenig Zeit ist so ein Ding praktisch. Für manch anderen einfach eine Spielerei. Und für den Gastronomen im Laden nebenan, der mit allen möglichen Kosten zu kämpfen hat und sich keinen Preiskampf leisten kann, kann so ein Roboter der letzte Dolchstoß sein. Chance und Bedrohung zugleich.

Du siehst, worauf das hinausläuft und jetzt kannst Du Dir auch sicher vorstellen, wieso mir das so schwer gefallen ist, wirklich ausschließlich gute Nachrichten zu finden.

Bei keiner dieser Geschichten gibt es ein einfaches Gut oder Schlecht. Es hängt komplett davon ab, wo Du gerade stehst.

Zum Mitnehmen

Frag Dich nicht, ob etwas gut oder schlecht ist. Frag Dich, auf welcher Seite Du gerade stehst und wie Du auf die richtige kommst. Und falls Dir das Ganze Dein Standbein wegzieht, wie Du rechtzeitig woanders wieder fest stehst.

02

Die Maschine oder doch lieber Handarbeit?

Und an dieser Stelle wird es für mich zum ersten Mal wieder hoffnungsvoll. Denn je mehr die Maschinen können, desto klarer zeigt sich, wo der Mensch unersetzlich bleibt. Lass mich das der Reihe nach aufdröseln.

Denk an ein Siegel, mit dem wir groß geworden sind. Made in Germany. Früher war das der Ritterschlag, das Versprechen für das Beste, was Du kriegen konntest.

Und heute? Schauen wir zum Beispiel mal auf die Autoindustrie. Die Konkurrenz hat aufgeholt und uns teils überholt. Aus China kommen Elektroautos, die günstiger sind und im Zwölf- bis Achtzehn-Monats-Takt ein neues Modell mit besserer Software bringen. Aus den USA kommt Tesla, das seine Autos jahrelang per Update besser macht. Aus Korea kommen Hyundai und Kia mit starker Technik und langer Garantie. Wir bauen weiter grundsolide und sind stolz auf tadellose Verarbeitung und jede millimetergenau sitzende Fuge in der Karosserie. Nur zieht dieser Stolz nicht mehr, wenn die Software beim Nachbarn runder läuft.

Ich sehe das an meinem eigenen Wagen. Ich fahre einen inzwischen 7 Jahre alten Tesla und das Ding bekommt immer noch über Nacht neue Funktionen dazu, während sich deutsche Anbieter schon bei der Software in Neuwagen schwer tun. Das alte „Made in Germany ist automatisch das Beste” stimmt so leider nicht mehr.

Jetzt kommt jedoch meine These, wie es weitergeht. Wenn bald fast alles irgendwo auf der Welt gleich gut und günstig gebaut wird, verliert die Frage nach dem Herkunftsland an Gewicht. Wichtiger wird eine andere. Steckt da überhaupt noch ein Mensch dahinter?

Bedeutet in anderen Worten: Made by Robots gegen Made by Humans.

Zwei Espressi im Vergleich: links von Hand am Siebträger für 4,99 Euro, rechts aus dem Automaten für 0,99 Euro

Schau Dir das Beispiel von Kaffee an. Die handgeröstete Bohne für fünfunddreißig Euro das Kilo gegen die Tüte aus dem Supermarkt für zwölf. Der Unterschied fängt lange vor dem Lebensmittelregal an.

Beim guten Kaffee wird von Hand angebaut, gepflegt, reif gepflückt und schonend geröstet. Bei der Massenware übernimmt das die Maschine. Schnell abgeerntet, automatisch sortiert, heiß durchgejagt. Am Ende steht in beiden Fällen Kaffee im Regal. Es sind trotzdem zwei völlig verschiedene Welten an Qualität und Wert.

Ein weiteres Beispiel sind Uhren. Nimm eine Patek Philippe. Neu bekommst Du die kaum unter 30.000 Euro, die aufwendigsten Modelle kosten ein Vielfaches davon. Daneben liegt eine Swatch für achtzig Euro. Beide zeigen Dir zuverlässig, wenn es Zeit für die Mittagspause ist.

Also warum sollte jemand für die Patek trotzdem das teils Tausendfache zahlen? Da spielt Status mit rein, Ansehen, was der Träger dadurch bekommt und für manche auch eine Art Geldanlage. Doch dazu kommt das Handwerk. Patek baut nur rund 62.000 Uhren im Jahr, jede wird über Monate montiert und von Hand veredelt. Und so ein Stück hält Generationen, es wird vererbt statt weggeworfen. Diese Seltenheit, dieses Handwerk und diese Langlebigkeit zusammen sind der Grund, warum Leute so viel Geld für eine Uhr ausgeben.

Zum Mitnehmen

Je mehr eine Maschine kann, desto höher steigt der emotionale Wert dessen, was von Menschenhand kommt. Das wird zum neuen Qualitätsmerkmal.

03

Wo Dein echter Wert steckt

Und damit sind wir bei Dir. Und bei mir. Bevor Du überlegst, was Du behältst und was Du abgibst, kommt eine ehrliche Frage, vor der sich viele gern drücken. Hat das, was ich hier tue, in dieser Form überhaupt noch eine Zukunft?

Diese Frage tut ein bisschen weh, aber sie gehört auf den Tisch. Wir bei top.media haben uns in den letzten Jahren selbst mehr als einmal neu erfinden müssen. Was gestern noch das Geschäft war, funktioniert heute manchmal nicht mehr. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. So abgedroschen der Satz ist, er stimmt.

Ist diese Frage geklärt, hilft Dir ein ehrlicher Blick auf drei Dinge.

Der ehrliche Selbst-Check

  1. Wofür kommen meine Kunden wirklich zu mir?
  2. Was ist der Kern, für den sie zahlen und mich weiterempfehlen?
  3. Was läuft nur nebenher, ohne dass es jemand bemerkt oder das Ergebnis verändert?

Alles, was nur nebenherläuft und das kein Kunde vermissen würde, kannst Du mit ruhigem Gewissen abgeben. An eine Maschine, an ein kleines Werkzeug, an eine Automatisierung und wenn es an Dir als Person hängt, vielleicht auch sogar an einen Mitarbeiter. Da darfst Du Dir eingestehen, dass jemand oder etwas anderes Deinen Handgriff genauso gut hinbekommt. Vielleicht sogar schneller oder mit mehr Freude.

Der Kern jedoch, also das, wofür die Leute wirklich zu Dir kommen, das ist Dein Boden. Da gehört Deine Erfahrung hin, Dein Urteil, Deine Handschrift. Das ist Dein ganz persönliches „Made by Humans”.

Patrick Lenz bespricht mit zwei Kollegen etwas am Bildschirm

Ganz praktisch. Setz Dich einmal hin und schreib auf, welche Schritte Deine Kunden wirklich sehen, spüren und weitererzählen. Das ist Deine Wertschöpfung. Der ganze Rest ist Verwaltung.

Und weil Du mit diesem Kern keinen Preiskampf gewinnst, überleg Dir gut, für wen Du überhaupt der Richtige sein willst.

Zum Mitnehmen

Finde heraus, wofür Deine Kunden wirklich kommen. Dort steckt Deine Handschrift, den Rest gibst Du getrost ab.

Und weißt Du was? Am Ende dieser ganzen Sucherei nach der guten Nachricht ist mir aufgegangen, dass ich sie längst gefunden hatte. Sie stand nur in keiner Schlagzeile.

Dein Wert als Mensch ist in diesem ganzen Umbruch nicht kleiner geworden. Er ist klarer geworden.

Bei uns lief letzte Woche unser Sommerfest. Spare Ribs, ein paar kühle Getränke, Menschen, die sich einfach mal wieder in die Augen geschaut und richtig miteinander geredet haben. So einen Abend baut Dir kein Roboter nach und keine KI der Welt. Auf genau solche Momente dürfen wir alle wieder ein bisschen mehr Wert legen.

Das top.media Team mit Kunden beim Sommerfest im Hof

Das war der Shortcut für diese Woche

Es gibt kein Gut oder Schlecht. Es gibt nur die Frage, wo Du stehst.

Gib ab, was die Maschine übernehmen kann. Und steck Dein Herzblut dahin, wofür die Leute wirklich zu Dir kommen.

Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team

Aber ein Hinweis: Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach. Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht. Wenn Du in Zukunft zu den Ersten gehören willst und immer die aktuellsten News erfahren willst, trag Dich unten ein.

Wo steckt Dein echtes „Made by Humans”?

Nimm die drei Fragen aus dem Selbst-Check und geh sie einmal mit jemandem von außen durch. Wir schauen gemeinsam, wofür Deine Kunden wirklich zu Dir kommen und was Du getrost an eine Maschine, ein kleines Werkzeug oder einen Mitarbeiter abgibst. Einmal raus aus dem Tagesgeschäft, ein neutraler Blick von außen und jemand, der mit Dir am Unternehmen arbeitet und nicht nur darin.

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