Jeder Unternehmer hat ein paar Dinge, in die er bewusst investiert, weil sie ihm wichtig sind und weil er weiß, dass sie ihm langfristig was zurückgeben.
Auf privater und auch auf unternehmerischer Ebene ist einer dieser Dinge bei mir mein Camper, von dem ich schon öfter erzählt habe.
Genau deswegen war ich mit ihm auch schon bei der Rostschutz-Prophylaxe, obwohl ich ihn noch nicht mal ein volles Jahr besitze.
Was Du regelmäßig pflegst, hält. Was Du laufen lässt, rostet, bevor Du es merkst. So weit, so logisch.
Aber während ich da stand und mir meinen frisch konservierten Camper angeschaut habe, ist mir etwas klar geworden.
Ich schaue auf diesen Camper und empfinde Freude. Ich denke an Reisen, an Familie, an Freiheit.
Wenn ich jedoch an die IT denke, von der mein Unternehmen abhängt, denke ich an nichts. Das hat zwei Gründe. Mir fehlt die emotionale Bindung. Und es gibt eigentlich auch nichts mehr zu sehen.
In unserem "Server-Schrank" sind nur ein Switch und eine Firewall. Der Rest läuft in der Cloud – an Orten, die ich nicht physisch greifen kann.
IT ist heute überall und nirgendwo. Genau das macht es so schwer, sich um sie zu kümmern.
Wir pflegen alles, was uns Freude macht und was wir sehen können. Und ignorieren, was wir nicht sehen und nicht spüren können... obwohl genau das uns oft am Laufen hält.
Heute schauen wir uns an, warum das so ist und wie Du da rauskommst.
Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.
Unsere heutigen Themen
Wenn mein Auto in die Inspektion kommt, sehe ich danach nichts Offensichtliches. Das Öl ist neu, die Bremsen sind geprüft, vielleicht wurden ein paar Verschleißteile getauscht.
Trotzdem fühle ich was. Das Auto klingt anders. Es zieht sauberer. Beim Anlassen rappelt nichts. Ich kann es anfassen, fahren, hören, riechen.
Bei der IT geht das nicht. Ob Du Dein Postfach gegen Spam und Phishing schützt oder nicht – Deine Mails kommen morgens trotzdem rein.
Ob Dein Backup funktioniert oder seit drei Monaten ins Leere läuft – Dein Tag startet trotzdem normal.
Ob Deine Server-Updates eingespielt sind oder ob Du gerade auf einer offenen Sicherheitslücke sitzt – Du merkst es nicht.
Funktionierende IT ist unsichtbar. Erfolgreiche Wartung im Bereich der IT produziert keinen Effekt. Das System läuft "einfach" weiter, wie es eben laufen soll.
Genau das ist das Problem: Was Du nicht spüren kannst, kannst Du auch nur sehr schwer wertschätzen.
Für welche dieser Arbeiten zahlst Du lieber?
Stell Dir vor: Ein befreundeter Handwerker hilft Dir bei einer Reparatur zu Hause. Selbstverständlich drückst Du ihm am Ende 100 Euro in die Hand. Schließlich ist es eine handfeste Leistung, die Du sehen und anfassen kannst.
Währenddessen hilft Dir ein anderer Bekannter, Dein Internet einzurichten. Wie viel gibst Du ihm dafür? Einen feuchten Handschlag? Ein Dankeschön? Vielleicht ein Bier?
Beide haben ein Problem für Dich gelöst. Beide haben Fachwissen mitgebracht, das Du nicht hast. Den einen hast Du bezahlt. Den anderen kaum.
Der einzige Unterschied: Was der eine gemacht hat, kannst Du anfassen und sehen. Was der andere gemacht hat, nicht.
Ein ähnliches Szenario läuft in Deinem Unternehmen. Zum Beispiel planst Du die Wartung Deiner Maschinen immer rechtzeitig ein, bevor sie zum Stehen kommt.
Weil Dir völlig klar ist: Wenn das Ding ausfällt, fällt auch Dein Umsatz aus. Du kannst Maschinenstillstand sofort in Euro umrechnen.
Doch bei der IT machst Du das nicht. Obwohl es dort sogar noch schlimmer ist: Denn wenn Dein Server steht, arbeitet keiner mehr.
Wenn Deine Mails ausfallen, kommt kein Auftrag mehr rein. Wenn Deine Daten weg sind, ist Deine letzte Woche weg, vielleicht der letzte Monat.
Der Schaden ist genauso real wie bei einer kaputten Maschine in der Halle. Oft sogar größer.
Bei diesem Pflege-Reflex kämpfen wir gegen die Art, wie wir als Menschen gebaut sind. Wer das verstanden hat, hört auf, sich selbst dafür zu beschimpfen, dass die IT immer hinten runterfällt – und fängt an, sich Strukturen zu bauen, die nicht von Tagesform abhängen.
Welche das sind, schauen wir uns gleich noch an.
Wir haben in den letzten Jahren mehrere Kunden erlebt, die durch einen Ransomware-Angriff komplett ausgefallen sind. Dabei wurden PCs verschlüsselt, Daten waren weg und es gab Stillstand.
Die Wiederherstellung danach kostet schnell jedes Mal eine vierstellige Rechnung.
Und in jedem dieser Fälle hätte ein Warnsystem für ein paar Euro im Monat pro Arbeitsplatz den Vorfall verhindert oder zumindest deutlich entschärft.
Das Verrückte: Selbst nach einem ersten Schaden, wenn das Unternehmen den Schmerz konkret in Euro und Stress vor sich liegen hat, passiert oft nichts.
Die Sichtbarkeit des Problems und Risikos allein erklärt das Muster nicht.
Das Unternehmen verbucht den Schaden einfach als "Pech", anstatt ihn als das zu sehen, was er ist: die logische Konsequenz davon, dass nichts geändert wurde.
Doch selbst bei Unternehmen mit Wartung zeigt sich eine Schieflage. Denn wenn alles läuft und nichts passiert, kommt am Ende des Monats die Frage: „Was habt ihr eigentlich gemacht für die Kohle?"
Wenn aber irgendwas nicht funktioniert, ist die Erwartungshaltung sofort am Anschlag. Sofort. Jetzt. Egal, was ihr gerade macht.
Und wenn die Technik wieder läuft? Wird das auch wieder als selbstverständlich verbucht. Wertschätzung gibt es bei IT also eigentlich nie.
Bei uns im Süden gibt es dafür einen passenden Spruch: Net g'schumpfe is globt gnuch. Leise Pflege wird hinterfragt. Lauter Notfall wird sofort eingefordert. Und nach der Lösung geht's weiter, als wäre nichts gewesen.
Meine Aufgabe als jemand, der das täglich miterlebt, ist es, Dir die Möglichkeit zu geben, die Risikoabwägung wirklich bewusst zu treffen.
Drei Fragen zur Risikoabwägung
Wenn Du auf eine dieser Fragen keine klare Antwort hast, fehlt Dir aktuell die Grundlage für eine bewusste Risikoabwägung.
Bevor irgendeine Struktur funktioniert, muss in Deinem Kopf eine Verschiebung stattfinden: IT ist keine Kostenstelle. IT ist kritische Infrastruktur – genau wie Strom, Maschinen oder Personal.
Und diese Verschiebung steht und fällt mit dem Stellenwert, den Du der IT gibst. Sobald der stimmt, ergibt sich der Rest fast von alleine. Wie? Mit drei Bausteinen.
Wenn Du einen Firmenwagen least, weißt Du heute schon genau, dass Du ihn nach 36 Monaten zurückgibst und einen neuen holst.
Genauso planbar geht das mit IT-Hardware. Laptops, Server, Endgeräte – alle haben einen Lebenszyklus. Wer sie geplant nach drei oder vier Jahren austauscht, hat keine "spontanen" Ausfälle mehr und braucht auch keine Notfall-Sofortkäufe.
Setz Dir einmal im Quartal einen Termin mit Deinem IT-Verantwortlichen oder Dienstleister. Nicht „wenn was ist". Sondern fest im Kalender.
In diesem Termin geht es um die Frage: Was steht in den nächsten 12 bis 18 Monaten an? Welche Lizenzen laufen aus? Welche Hardware kommt in den Austausch? Welche Sicherheits-Themen müssen bearbeitet werden?
Damit verschwindet die Hektik aus dem Tagesgeschäft. Du planst mit Vorlauf statt unter Druck.
Ein Ampelsystem ist eine einfache Übersicht über die wichtigsten Bereiche Deines Unternehmens – zum Beispiel Server-Auslastung, Lizenz-Status, Patch-Stand, Endgeräte-Alter, Backups.
Jeder dieser Bereiche bekommt eine Bewertung: Grün, Gelb oder Rot.
Grün: läuft sauber.
Gelb: noch ok, aber jetzt Optimierung planen.
Rot: jetzt handeln.
Diese Übersicht prüfst Du mindestens einmal im Monat, damit Dir nichts hinten durch fällt. Damit hast Du auch jederzeit ein Bild davon, wo Dein Unternehmen steht – und Du handelst nicht erst überrascht bei Rot, sondern kannst bei Gelb anfangen zu planen.
Das ist der Unterschied zwischen reagieren und gestalten.
Plane einen 30-Minuten-Termin mit Deinem IT-Verantwortlichen oder Deinem Dienstleister.
Thema: ausschließlich Prävention. Keine aktuellen Probleme, keine Tickets, keine Brände.
Wenn Du diesen Termin nicht setzen kannst, weil Du gar keinen IT-Verantwortlichen oder Dienstleister hast, der das mit Dir besprechen würde – ist Dein erster Schritt, Dich darum zu kümmern. Und dann sollten wir beide sprechen.
Am Ende ist es ganz einfach: Mein Camper bekommt seine Rostschutz-Prophylaxe nicht, weil ich besonders diszipliniert bin. Sondern weil der Termin im Kalender steht.
Pflege wird zuverlässig, wenn sie nicht mehr von Tagesform abhängt. Sondern von Struktur.
Hinweis
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Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht.
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Das war der Shortcut für diese Woche!
Wenn Du bei den Themen dieser Ausgabe mehr Klarheit brauchst oder offene Fragen hast, können wir 30 Minuten reden.
Dabei schauen wir uns gemeinsam die Bereiche an, wo Deine größten Risiken liegen und was Du tun kannst, damit es bei Dir gar nicht erst zum Brennen kommt.
Für die nächste Woche habe ich aktuell noch einen Termin frei. Wenn Du ihn willst, antworte einfach auf diese E-Mail oder buche Dir direkt den Termin bei mir.
Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team