Warum akzeptierst Du das?
The ShortcutErlaube Dir, unzufrieden zu sein
Die Lösung liegt griffbereit im Schrank. Und wir behalten trotzdem das Problem.
Meine Tochter hatte neulich einen fiesen Mückenstich. Zu Hause haben wir einen bite away, so einen Stichheiler, der den Juckreiz mit kurzer Hitze stoppt. Sie weiß, dass diese Hitze hilft. Trotzdem will sie das Ding nicht nutzen, weil es für zwei Sekunden weh tut.
Also lebt sie lieber weiter mit dem Juckreiz. Die Lösung liegt griffbereit im Schrank. Und sie behält trotzdem das Problem.
Ehrlich, das machen wir alle ständig. Wir haben uns antrainiert, Dinge einfach hinzunehmen.
Das fängt schon damit an, dass wir heute fast nur noch konsumieren. Spotify spielt endlos weiter, Netflix startet die nächste Folge von allein und der Feed entscheidet, was Du als Nächstes siehst. Wir nehmen einfach, was uns serviert wird. Selbst entscheiden wir kaum noch.
Diese Passivität nehmen wir auch mit zur Arbeit. Wir arrangieren uns mit der Software, die uns hingestellt wird. Sie passt nicht ganz, ein Ablauf hakt, ein Schritt ist umständlich.
Doch wir richten uns lieber nach dem Werkzeug, statt das Werkzeug nach uns. Ist halt so.
Wer sich mit allem arrangiert, wird nie unzufrieden. Und Unzufriedenheit ist der Funke für alles Bessere.
Der erste Schritt kostet nichts außer etwas Mut: Erlaube Dir wieder, unzufrieden zu sein.
Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.
Unsere heutigen Themen:
- Finde, was Dich bremst
- Die Hürde ist eingestürzt
- Mach es zu Deinem Prinzip
01
Finde, was Dich bremst
Vor dem Lösen eines Problems kommt ein Schritt, den die meisten überspringen wollen. Du musst erst sehen, wo es überhaupt klemmt. Und das ist schwerer, als es klingt, weil Du Dich an Deine eigene Reibung längst gewöhnt hast.
Es ist wie die Tür, die klemmt. Statt das Scharnier zu richten, drückst Du sie jeden Tag mit einem kleinen Ruck ins Schloss. Jahrelang, ohne noch drüber nachzudenken. Genau so übersiehst Du die Reibung in Deinem Betrieb.
Deshalb hilft Fragen wenig. Fragst Du Dein Team, wo der Schuh drückt, bekommst Du ein Schulterzucken. Und das liegt nicht daran, dass alles rundläuft. Sie haben sich nur genauso daran gewöhnt wie Du. Also frag nicht, schau besser hin.

Setz Dich eine halbe Stunde neben Deinen Mitarbeiter und achte auf fünf Zeichen:
- Wie viele Tabs braucht eine einzige Aufgabe?
- Was wird von Hand von einem Tool ins nächste kopiert?
- Wo bleibt Arbeit liegen, weil jemand auf eine Freigabe wartet?
- Welche Fehler bessert immer wieder jemand nach?
- Wo geht bei der Übergabe von Person zu Person etwas verloren?
Oft sind es banale Kleinigkeiten, die keiner mehr sieht. Der Bericht, den jemand jede Woche von Hand aus drei Tabellen zusammensetzt, weil das noch nie einer hinterfragt hat. Der Kollege, der alles mit der Maus klickt, statt zwei Tastenkürzel zu lernen.
Und dann sei ehrlich zu Dir selbst. Welche Aufgabe schiebst Du jede Woche vor Dir her? Wo nimmst Du jedes Mal denselben Umweg? Wo sagst Du innerlich „ist halt so“?
Der Kern
„Ist halt so“ ist kein Zustand, es ist ein Wegweiser. Die Reibung, die Du benennen kannst, ist die, die Du lösen kannst.
02
Die Hürde ist eingestürzt
Früher war das Lösen teuer. Es kostete Zeit, die Du nicht hattest. Können, das Du Dir erst mühsam aneignen müsstest. Und Werkzeug, das viel zu viel kostete.
Genau diese drei Hürden räumt KI gerade ab. Sie bringt das Können mit, das Dir fehlt. Sie liefert in Minuten statt Wochen. Und das Werkzeug dazu kostet fast nichts, jedenfalls verglichen damit, es von Hand zu machen.
Der bequeme Weg ist dabei meistens genau der richtige. Niemand sollte etwas umständlich selbst machen, wenn es die Lösung längst fertig gibt. Ich nehme diesen Weg selbst ständig und das ist auch gut so.
Spannend wird es nur bei dem einen Ding, das es fertig nicht gibt.

Ein Beispiel aus meiner Freizeit. Seit Langem habe ich einen 3D-Drucker. Damit drucke ich mir Lösungen für Dinge, die es fertig nicht zu kaufen gibt. Ich finde das großartig, weil aus einem ungelösten Problem eine eigene Lösung wird.
Für die meisten Sachen gibt es fertige Vorlagen von anderen, die ich einfach herunterlade. Das sind gut neunzig Prozent von dem, was bei mir aus dem Drucker kommt.
Bei meiner elektrischen Zahnbürste im Camper ging das nicht. Individuelles Auto, individuelle Schubladen, dazu eine spezielle Bürste. Die Kombination gibt es nirgends zu kaufen.
Sie klappert seit Monaten lose in einer viel zu großen Box, das nervt mich schon lange. Am Wochenende hatte ich endlich die Muße, mich hinzusetzen.
Also habe ich mich an das Konstruktionsprogramm des Druckers gesetzt. Ich hatte lange nicht damit gearbeitet und es gab viele Updates. Von CAD habe ich sowieso keine Ahnung, ich komme gerade so mit einem Messschieber klar. Das war erst mal ziemlich frustrierend.
Die Software bringt zwar einen eigenen Assistenten mit, der taugt aber wenig. Entscheidend war eine Schnittstelle, über die ich eine richtig leistungsfähige KI andocken konnte. Ich habe ihr in normalen Worten beschrieben, was ich brauche. Und sie hat daraus die Konstruktion erstellt. Damit wurde es richtig schick.
Und diese KI hat mitgedacht, an Dinge, auf die ich nie gekommen wäre. Die Bürste ist feucht, also braucht die Halterung eine Entwässerung. Dazu Belüftung und Griffmulden. Sie hatte sogar die Toleranzen meines Druckers im Blick. Und am Ende bekam ich gleich drei Varianten zum Austesten.
Ein 3D-Drucker kostet heute 300 Euro, ein Kilo Material 20. Und plötzlich löst Du Probleme, für die es nie etwas Fertiges gab. Eine Lösung, maßgeschneidert nur für Dich.
So sollte Technik sein
Sie erledigt Deine Aufgabe und verlangt danach nichts mehr von Dir. Anders als der Feed, der Dich ständig zurückholt, löst sie Dein Problem und stört danach nicht weiter.
3D-Drucken ist dabei nicht die Antwort auf alles. Es war einfach meine Art, aus einer Reibung eine Lösung zu machen.
03
Mach es zu Deinem Prinzip
Der einzelne Zahnbürstenhalter ist dabei egal. Es geht nicht um eine Zahnbürste. Es geht um den Sprung von „ich habe mir mal was gemacht“ zu „ich nehme meine Reibungen nicht mehr einfach hin“.
Dafür gibt es ein gutes Wort: Ownership. Es heißt, Verantwortung für das zu übernehmen, was Du gerade tust. Ein Problem wirklich zu besitzen bedeutet, es von „wir haben ein Problem“ bis „daran denkt keiner mehr“ zu Ende zu bringen.
Das heißt, das Problem bis in die letzten Details zu Ende zu bringen, auch die Kleinigkeiten mitzunehmen, an die sonst keiner denkt. Verlass Dich nicht darauf, dass ein anderer schon den Teil erledigt, den Du übersehen hast.
Daran zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen auf Veränderung reagieren. Die einen fühlen sich von einem neuen Werkzeug bedroht. „Dann könnt ihr uns ja bald alle rausschmeißen.“ Und sie bleiben stehen.
Die anderen entwickeln sich weiter. Sie lassen die Maschine das Stumpfe übernehmen und gewinnen Zeit für das, wo nur Menschen gut sind. Die Buchhalterin, die früher Belege abgetippt hat, berät heute, wo sich Geld sparen lässt.

Mach Dich bei den stumpfen Aufgaben ruhig selbst überflüssig. Dann hast Du endlich Zeit für das, was wirklich zählt.
Der Unterschied ist der Antrieb. Immer mehr Menschen warten auf Motivation von außen, weil sich kaum noch jemand selbst in Bewegung setzt. Dein Motor sitzt woanders, in Deiner Unzufriedenheit.
Keine hängende Unterlippe, kein „die anderen sind schuld“. Stattdessen Neugier und ein „hurra, jetzt ändere ich das“.
Also mach es diese Woche konkret. Nimm Dir die eine Reibung, die Dich am meisten nervt. Benenne sie und geh den ersten Schritt, selbst oder mit jemandem, der es kann.
Das muss kein 3D-Druck sein und keine eigene Software. Es kann etwas völlig anderes sein. Wichtig ist nur, dass Du den Lösungsweg im Blick hast und Dich wirklich damit auseinandersetzt.
Denn für fast jedes Problem gibt es längst eine Lösung. Irgendjemand hatte es schon einmal. Wenn Du Dich dafür öffnest und gezielt danach Ausschau hältst, findest Du sie, egal in welchem Bereich.
Das war der Shortcut für diese Woche!
Du musst den Juckreiz nicht behalten. Das große Ganze, die Preise, die Weltlage, das änderst Du nicht. Aber Deine tausend kleinen „ist halt so“, die hast Du in der Hand.
Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team
Aber ein Hinweis: Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach. Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht. Wenn Du in Zukunft zu den Ersten gehören willst und immer die aktuellsten News erfahren willst, trag Dich unten ein.
Welche Reibung nervt Dich am meisten?
Nimm die eine Sache in Deinem Arbeitsalltag, bei der Du innerlich „ist halt so“ sagst. Wir schauen uns den digitalen und softwareseitigen Teil davon gemeinsam an und zeigen Dir, wo die passende Lösung längst steckt.
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