4.000 € im Jahr gespart

The Shortcut

Was kriege ich denn dafür?

Dein Abo wird teurer. Und manchmal auch schlechter. Zeit für eine Gegenfrage.

Vor ein paar Tagen kam wieder mal eine E-Mail von einem Softwareanbieter, den wir nutzen. Es ging um das jährliche Renewal Ende Oktober, also die Verlängerung. Sie schrieben mir, dass sie wieder eine 5-Prozent-Preissteigerung machen wollen.

Über das „wieder” habe ich kurz nachgedacht. Das hört sich an, als wäre die Erhöhung ein jährliches Ritual wie der Tannenbaum im Dezember.

Ich habe mir gedacht: „Prima, was kriege ich denn dafür?“

Hinter den 5 Prozent konnte ich auf den ersten Blick keinen Gegenwert sehen. Also habe ich mich einfach mal mit Claude hingesetzt und geschaut, wie ich mir eine eigene Alternative entwickle.

Nach intensiver Arbeit hab ich festgestellt, dass das Thema bis zum Verlängerungsdatum auf eigener Software laufen wird. Dieses Abo dann zu kündigen spart uns 4.000 Euro im Jahr. Und meinen 200-Euro-Account bei Claude hat das nicht mal an seine Limits gebracht.

Natürlich steckt Arbeit dahinter. Es waren 72 Stunden intensive Recherche, Planung und Umsetzung. Doch dem stehen 4.000 Euro im Jahr gegenüber, die wir sonst zahlen würden.

Der nächste Kandidat steht auch schon fest, ein Kalenderbuchungstool, das speziell für IT-Dienstleister entwickelt wurde. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich es ersetzt habe.

Patrick Lenz ist Inhaber von top.media, Innovationstreiber & Wissensvermittler.

Verlängerung Ende Oktober, plus 5 Prozent, und die Antwort: Prima, was kriege ich denn dafür?

Der Kern der Geschichte ist die Frage an den Anbieter. Sie passt auf fast jedes Abo, das Du hast.

Im heutigen Shortcut schauen wir uns deshalb drei Dinge an. Wie Abos teurer werden, offen und versteckt. Wie Du für jedes Tool herausfindest, was es Dir wirklich wert ist. Und wie viel Verantwortung Du abgibst, je nachdem ob Du kaufst, entwickeln lässt oder selbst entwickelst.

Unsere heutigen Themen

  1. Der Preis ist die halbe Rechnung
  2. Was Dein Tool Dir wirklich wert ist
  3. Wie viel Verantwortung Du für Dein Geld abgibst

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Der Preis ist die halbe Rechnung

Ein Einzelfall sind wir mit der Preiserhöhung auf jeden Fall nicht. Der Digitalverband Bitkom hat für seinen Cloud Report 2026 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt. Bei 64 Prozent sind die Kosten für Cloud-Lösungen im letzten Jahr gestiegen, also für Software und Speicher, die Du über das Internet mietest.

Die Mehrheit erwartet für 2026 noch mehr Erhöhungen.

Warum wechseln aber so wenige? Als größtes Hindernis nennen die Befragten den Lock-in. Das heißt, Daten lassen sich nur schwer exportieren oder umziehen. Ich vermute, wer schwer wegkommt, zahlt am Ende einfach, was aufgerufen wird.

Das Einkaufsportal Vertice, über das Firmen ihre Software-Abos einkaufen, misst für Juni 2026 eine Preissteigerung von 16,4 Prozent bei Software im Abo.

Das ist der höchste Monatswert seit Messbeginn, berechnet aus über 75 Milliarden Dollar Ausgaben seiner Kunden weltweit. Für Deinen Betrieb gilt die Höhe wahrscheinlich nicht eins zu eins, aber die Richtung schon.

Was die Zahlen sagen

  • 64 % der Betriebe zahlen mehr für Cloud-Lösungen (Bitkom, ab 20 Beschäftigten)
  • 54 % erwarten für 2026 weiter steigende Kosten (Bitkom)
  • 59 % nennen den Lock-in als größtes Wechselhindernis (Bitkom)
  • 16,4 % Preissteigerung bei Software im Abo im Juni 2026 (Vertice, weltweit)

Die offene Erhöhung siehst Du am Preisschild. Bei Microsoft 365 gelten seit dem 1. Juli 2026 neue Preise. Bestehende Kunden zahlen den alten Preis bis zur Verlängerung. Dann kommt die Erhöhung, genau so, wie auch bei uns die 5 Prozent kamen.

Die versteckte Erhöhung kennst Du auch aus dem Supermarkt. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 2025 77 neue Produkte in ihre Mogelpackungsliste aufgenommen, also Produkte mit versteckter Preiserhöhung. Im Schnitt lag sie bei 28,4 Prozent, besonders oft bei Süßwaren, Fertigprodukten und Müsli.

Eine Form davon heißt Shrinkflation. Dabei schrumpft der Inhalt und der Preis bleibt.

Supermarktregal mit Packungen, bei denen der Inhalt kleiner wird und der Preis bleibt

Auch bei Software lässt sich die Leistung kürzen, ohne den Preis anzufassen. Vertice nennt das SaaS-Shrinkflation. Anbieter erhöhen den Preis und kürzen im selben Tarif die Funktionen.

Bei KI-Abos ist das gerade gut zu sehen. OpenAI, der Anbieter von ChatGPT, kürzt ab dem 30. Oktober im 200-Dollar-Tarif ChatGPT Pro laut dem Technikportal TNW die Nutzung auf die Hälfte. Der Preis bleibt.

Supermarkt, Mogelpackungsliste 2025
77 neue Produkte
im Schnitt 28,4 % versteckt teurer

Microsoft 365 Business Standard
12,50 → 14 Dollar
pro Nutzer und Monat, seit 1. Juli 2026

ChatGPT Pro 200
volle → halbe Nutzung
gleicher Preis, ab 30. Oktober 2026

Teuer allein ist noch kein Problem. Vor zwei Jahren war ein KI-Zugang für 30 Euro pro Nutzer im Monat ein Aufreger. Dabei ist der ROI, also der Gegenwert für Dein Geld, gegeben, sobald Du im Monat 30 Minuten sparst.

Teuer ist in Ordnung, wenn die Leistung stimmt. Deshalb zählt die Frage nach der Leistung mehr als die Zahl auf der Rechnung.

Fang mit einer Liste an, damit Dich die nächste Erhöhung nicht überrascht. Geh die Abbuchungen der letzten zwölf Monate auf Firmenkarte und Konto durch und schreib jedes wiederkehrende Abo auf, mit Preis und Verlängerungsdatum. Zum Beispiel: „Name des Tools, 4.000 Euro im Jahr, Verlängerung Ende Oktober.”

Schreib daneben, was Du heute dafür bekommst und was es vor einem Jahr war. Das Verlängerungsdatum kommt in den Kalender, einen Monat vorher. Und bis wann Du dann kündigen musst, steht in Deinem Vertrag.

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Was Dein Tool Dir wirklich wert ist

Mit der Liste kannst Du dieselbe Frage stellen wie ich. Und Du musst für die Lösung auch nichts programmieren können.

Bei unserer neuesten Verlängerung habe ich nach dem Gegenwert gesucht. Und wie ist das bei Dir? Das siehst Du erst, wenn Du jedes Tool einzeln anschaust.

Bei großen Systemen denke ich immer wieder: „Da sind so viele Integrationen und Individualisierbarkeit drin, die ich nie im Leben brauche.”

Früher hatte ein Anbieter mit einer Spezialfunktion fast ein Monopol. Heute lässt sich vieles davon in irgendeiner Form selbst entwickeln. Dazu passt eine Abwandlung des alten Spruchs „Der König ist tot, lang lebe der König”: „SaaS ist tot, lang lebe SaaS, aber halt dann mein eigenes.“

Wie das aussieht, habe ich schon einmal erzählt. HubSpot hat uns rund 22.000 Euro im Jahr gekostet. Wir haben nur einen Bruchteil davon genutzt. Dann haben wir einmal aufgeräumt und heute zahlen wir nur noch rund 5.000 Euro und haben den Rest durch eine schlanke, genau passende Lösung ersetzt.

Dabei muss es nicht gleich der große Umbau sein. Du kannst bleiben, ein kleineres Abo nehmen, den Tarif oder den Anbieter wechseln oder Dir etwas Eigenes entwickeln (lassen).

Geh Deine Liste aus Teil 1 mit vier Fragen durch. So weißt Du für jedes Tool, ob es seinen Platz verdient.

  1. Wofür nutzen wir es wirklich?
  2. Wer im Team nutzt es?
  3. Welche drei Funktionen brauchen wir davon?
  4. Was wäre die kleinste Lösung, die das erledigt?

Am Ende steht hinter jedem Tool eine Zeile: bleiben, kleiner, wechseln oder ersetzen.

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Wie viel Verantwortung Du für Dein Geld abgibst

Selbst eine Software zu entwickeln, kommt wahrscheinlich nur für die wenigsten von uns in Frage. Dafür fehlen oft Zeit, Know-how oder beides. Das ist völlig in Ordnung. Du kannst das Abo behalten, Dir etwas entwickeln lassen oder es selbst entwickeln.

Oft gibt es dabei nur einen schlauen Weg. Welcher das ist, hängt davon ab, was sich für Dich rechnet und lohnt.

Ein passendes Bild dazu kennst Du schon aus früheren Ausgaben. Es heißt Pizza as a Service. Im Restaurant sitzt Du am Tisch und lässt servieren. Das ist das Abo, bequem und mit einem Anbieter, der für die Küche geradesteht.

Selbst backen ist die Eigenentwicklung. Du entscheidest alles und bist für alles zuständig. Irgendwo dazwischen liegt die Pizza, die jemand nach einem Rezept für Dich backt.

Wie ich es schon einmal geschrieben habe: Verantwortung kannst Du nicht outsourcen, Du kannst sie nur organisieren.

Drei Pizzen für drei Wege: Abo, entwickeln lassen, selbst entwickeln

Bei größeren Anbietern nutzen Millionen Menschen dasselbe System. Es gibt Teams, die sich um Fehler kümmern. Bei eigener Software bist Du selbst dieses Team. Dafür entscheidest Du auch selbst, wann sich etwas ändert.

Wie weit der Hype von der Praxis entfernt ist und was schiefgehen kann, zeigen drei Beispiele.

Eines der bekanntesten Beispiele für Eigenentwicklung ist beim Zahlungsanbieter Klarna. Die haben 2024 die Software von Salesforce abgeschafft, einem der größten Anbieter für Kundenverwaltung. Stattdessen läuft dort jetzt ein eigenes, selbst entwickeltes System. Die Nachricht ging um die Welt.

Klarnas Chef Sebastian Siemiatkowski hat dann 2025 klargestellt, dass sie die Daten aus vielen Programmen in eine eigene Technik überführt haben. Das war ein echtes Technikprojekt.

Ob andere Firmen ihm folgen sollten, beantwortet er mit „I doubt it”, also „Ich bezweifle es”.

Doch das ist schon über ein Jahr her, die technischen Möglichkeiten sind inzwischen noch besser geworden.

Bei Replit, einem KI-Werkzeug zum Programmieren, soll laut Fortune ein KI-Agent trotz Änderungsstopp die Live-Datenbank einer Software-Firma gelöscht haben.

Und Veracode, ein Anbieter für Sicherheitssoftware, hat über 100 KI-Modelle Programmieraufgaben lösen lassen, ohne den Hinweis, auf Sicherheit zu achten. Fast 44 Prozent des erzeugten Programmcodes sind bei den Sicherheitstests durchgefallen.

Mein Maßstab dazu: „Wenn ich 3 KI-Accounts zu je 200 Euro brauche und dafür ein ganzes Softwareentwicklerteam ablösen kann, dann mache ich das, wenn ich das Ganze orchestrieren kann.“ Orchestrieren heißt hier, die KI zu steuern und ihre Arbeit zu prüfen.

Es kommt am Ende auf die Rechnung an. Bei uns standen 72 Stunden Arbeit gegen 4.000 Euro im Jahr. Ob Abo, fertige Software oder selbst entwickeltes Tool: Wenn es sich rechnet, ist der Weg egal.

Geh pro Tool in drei Schritten vor. Danach weißt Du, was bleibt und was nicht.

  1. Rechne pro Tool. Was gibst Du dafür aus? Und was sparst Du dadurch an Zeit oder Wert? Das gilt für das Abo genauso wie für jede Eigenlösung.
  2. Wähle den Weg. Aus der Rechnung ergibt sich, ob Du bleibst, die Erhöhung akzeptierst, den Tarif oder den Anbieter wechselst oder etwas Eigenes entwickeln lässt.
  3. Beantworte vier Fragen, bevor jemand eine Software entwickelt.

Das sind die vier Fragen:

  1. Welche Funktionen nutzt Ihr wirklich?
  2. Welche Daten fasst das Tool an und wer darf sie sehen?
  3. Wer hält es in zwei Jahren am Laufen und wie viele Stunden im Monat braucht das, wenn sich eine Schnittstelle ändert?
  4. Was passiert, wenn es einen Tag ausfällt?

Du musst das nicht allein entscheiden. Wir bei top.media begleiten Dich von der ersten Frage an: Ist das überhaupt das richtige Tool, was soll es können und lohnt sich ein Wechsel? Wenn Du möchtest, entwickeln wir die Software auch für Dich, individuell und datenschutzkonform.

Das war der Shortcut für diese Woche

„Was kriege ich denn dafür?” ist die beste Frage dieses Herbstes. An Deinen Anbieter und an Dich selbst. Mit welchem Abo fängst Du an?

Bis nächsten Donnerstag,
Patrick & das top.media Team

Aber ein Hinweis: Wer diesen Beitrag hier liest, ist mindestens eine Woche zu spät dran. Denn der Shortcut erscheint jeden Donnerstag um 10 Uhr per E-Mail in Dein Postfach. Hier auf der Website wird er erst eine Woche zeitversetzt veröffentlicht. Wenn Du in Zukunft zu den Ersten gehören willst und immer die aktuellsten News erfahren willst, trag Dich unten ein.

Welches Abo verlängert sich bei Dir als nächstes?

Geh Deine Abo-Liste nicht allein durch. In der kostenlosen IT-Analyse schauen wir gemeinsam, was jedes Tool Dir wirklich bringt, was bleibt, was kleiner wird und was sich durch etwas Eigenes ersetzen lässt. Und wenn sich das rechnet, entwickeln wir es für Dich, individuell und datenschutzkonform.

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